Was wir von der Social Media Nutzung von Jugendlichen lernen können

Diese Woche wurde von saferinternet.at der Jugend-Internet-Monitor 2017 präsentiert, für den 400 Jugendliche im Alter von 11 bis 17 Jahren zu ihrer Nutzung von Sozialen Netzwerken befragt wurden. Die Ergebnisse haben uns teilweise überrascht und in Erstaunen versetzt – denn die Socia Media Plattformen, die wir Oldies (ja, meine Generation kann man Social-Media-technisch tatsächlich so bezeichnen) verwenden, haben bei den Jungen weniger Relevanz. Das war uns zwar mehr oder weniger bewusst, aber wie rapide Facebook und Twitter an Bedeutung verlieren, hat uns dann doch überrascht. In unseren FH-Kursen fragen wir die Studierenden auch interessehalber, welche Kanäle sie selbst nutzen, und hatten hier auch das eine oder andere Aha-Erlebnis. Ganz so „dramatisch“ würden die Ergebnisse für die Anfang-Zwanzigjährigen aber vermutlich nicht ausfallen.

Die wichtigsten Ergebnisse und Entwicklungen der Studie wurden von den heimischen Medien aufgegriffen. Wir haben uns überlegt, was sie für Menschen bedeuten, wie wir es sind: KommunikationsexpertInnen und alle, die Social Media Kommunikation nutzen, um ihre Zielgruppen zu erreichen.

Hier unsere wichtigsten Aha-Erlebnisse:

  1. Twitter, wo bist du? War Twitter im vergangenen Jahr noch auf Platz 6 der meistgenutzten Social Media Kanäle zu finden, rutscht es in diesem Jahr weiter ab. Nur 14 % der befragten Jugendlichen gaben an, Twitter zu nutzen, im Vorjahr war es doch noch ein Viertel der Befragten. Es bestätigt sich, was schon länger bekannt ist: Twitter ist irrelevant für die junge Zielgruppe. Spannend in diesem Zusammenhang war zum Beispiel die Einstellung des Twitter-Kanals von McDonald’s Österreich zugunsten von Snapchat. Offenbar sieht man dort das größere Potential. Generell bemerken wir in Gesprächen und bei Veranstaltungen, dass Twitter ein Nischenthema geworden ist: für Medien, Medienschaffende und Opinion Leader überwiegend aus den Bereichen Politik & Gesellschaft. Ganz stark ist diese Entwicklung in Österreich zu bemerken, sieht man sich die größten Twitter-Channels des Landes an.
  2. Facebook! Was ist denn mit dir los? Die Mutter aller Sozialen Netzwerke hat Probleme, für die Jungen attraktiv zu bleiben. Unsere Blitzumfragen an der FH haben auch ergeben: ja, man schaut eh noch rein auf Facebook, aber eher so aus Gewohnheit. Nein, man postet eigentlich nicht. Für die private Kommunikation hat der Messenger auch ausgedient. Warum? Die Werbung nervt. Der Content von Kontakten wird ohnehin nie angezeigt. Und, was besonders spannend ist: Das Ding hat zu viele Funktionen. Man könnte sich alles super einrichten, Accounts abonnieren, Seiten entliken, Gruppen gründen und die Kontakte in Bereiche aufteilen – es ist zu viel. Eierlegende Wollmilchsäue werden nicht gebraucht.Und was jetzt? Was bedeutet das für uns BeraterInnen und KommunikatorInnen, die wir unsere gesamte Arbeitszeit über den Facebook-Tab geöffnet haben? Wir werden wohl noch stärker die Alternativen am Radar behalten und unsere Kommunikation mit der jungen Zielgruppe anpassen müssen. Ganz so dramatisch sieht es übrigens Matthias Jax von saferinternet.at (noch) nicht: „Die spannendste Entwicklung war für uns war sicher, dass doch noch immer so viele Jugendliche angeben, Facebook zu nutzen. Aus unserer Erfahrung heraus, hat die Plattform gerade bei den Jüngeren fast keine Relevanz mehr.“
  3. musi-whot? Meine elfjährigen Neffen waren diesmal schneller. Sie haben mich vor etwa einem halben Jahr gefragt, ob ich auch auf musical.ly bin. Weil da sind sie nämlich ziemlich aktiv. Da hab’ ich mich das erste Mal so richtig alt gefühlt. (ok, das ist eine Lüge. Das erste Mal Snapchat war auch schon schlimm.) Ein Viertel der Jugendlichen verwendet die Musikclip-App bereits. Bevor wir jetzt alle hysterisch loslaufen, unsere Facebook-Seiten löschen und Musical.ly beitreten, ist es vermutlich besser, die Entwicklung des Tools im Auge zu behalten und zu schauen, wie es weitergeht. Matthias Jax von saferinternet.at sieht es ähnlich: „Musical.ly ist ein Netzwerk, welche vorrangig bei den Allerjüngsten sehr beliebt ist und dort vor allem bei den Mädchen. Noch ist aber schwer einzuschätzen wie sich die Plattform langfristig halten wird, jedoch werden wir sie sicher noch im nächsten Jugend Internet Monitor in der einen oder anderen Form wiederfinden.“ Also vielleicht alles nur ein Hype? Wir werden sehen.
  4. Whatsapp = Social Media? Whatsapp ist wie im letzten Jahr an erster Stelle im Jugend Internet Monitoring zu finden. 93% der Jugendlichen verwenden es, um miteinander zu kommunizieren. Diese Zahl ist beeindruckend. Aber auch schwierig. Ich tu mir immer schwer damit, Whatsapp in einem Atemzug mit Facebook, Youtube & Co zu verwenden. Weil: Zu beachten ist die Nutzungsweise, und diese ist bei Whatsapp grundsätzlich anders. Es geht hier um private Kommunikation untereinander und nicht um Plattformen, auf denen öffentliche Profile und Auftritte möglich sind. Ich habe noch nie in einer Social Media Statistik gesehen, in der Daten zur Nutzung von iMessage oder Skype zu finden waren, insofern ist die Aussagekraft der 93%-Abdeckung unter Jugendlichen schon schwierig. Konkrete Handlungsableitungen für die nächste Kampagne lassen sich sicher keine daraus ziehen.

Zum Vergleich: Die Ergebnisse des Jugend-Internet-Monitors 2016

Was lernen wir daraus, abgesehen davon, dass wir offensichtlich alt sind? 😉 Wir sollten stärker auf das Nutzungsverhalten außerhalb unserer eigenen Zielgruppe achten und dabei die Jungen besonders im Blick behalten. Man kann die Ergebnisse der Studie sicher nicht als 1:1 Empfehlung für die nächste Kommunikationsstrategie sehen, aber sie geben uns eine Idee, wohin die Reise gehen könnte.

PS: Wir freuen uns über Freundschaftsanfragen auf musical.ly! 😉

Links:
saferinternet.at
Was ist musical.ly?

Von | 2017-03-22T17:39:41+00:00 17. März 2017|0 Kommentare

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