Also, mein Home Office. Wobei ich das nicht so gerne sage, da mir der Office-Teil etwas zu präsent ist. In erster Linie ist das hier mein Zu Hause. Hier lebe, wohne, bin ich. Der Ort, an dem ich mich am allerliebsten aufhalte. Hier ist alles gut. Und oft arbeite ich hier auch. Aber es ist nicht vorrangig meine Arbeitsstätte, die sich zufällig in meiner Wohnung befindet. So viel zu meinen Wortklaubereien.

Wenn man einen Job hat, der sich mit einem Laptop und einem Internetanschluss weitestgehend bestreiten lässt, überlegt man sich die finanzielle Last einer eigenen Büroräumlichkeit sehr gut. Die Notwendigkeit ist einfach nicht ganz so stark da. Und wenn man jemand ist, der sich von den Annehmlichkeiten der eigenen vier Wände nicht leicht ablenken lässt, klappt das Konzept ganz gut. Meine Magisterarbeit habe ich am Esstisch oder am Gartentisch geschrieben. Solange es keine öffentlichen Orte sind, bin ich zufrieden. Kaffeehäuser, Lesesäle, Parks oder Großräumbüros sind für mich schwierig. Zu Hause (muss nicht meines sein) kann ich auch stundenlang auf der Couch, im Bett, am Küchentisch oder auf der Terrasse arbeiten.

Nur, weil es geht, heißt das aber noch nicht, dass es auch immer gut ist. Irgendwann kommt man auch alterstechnisch in die Situation, ordentliche Arbeitsumgebungen zu bevorzugen. Schreibtische, Schreibtischstühle, gute Beleuchtung und so Sachen. Jaja Mutter, ich weiß.

Habe es mit diesem Hocker versucht, um aufrechter zu sitzen. Gewöhnungsbedürftig. Ich liebe lümmeln.
Foto: Uschi Fuchs / MOKS

Als ich vor ein paar Monaten umgezogen bin, hatte ich ein Arbeitszimmer in der neuen Wohnung fix eingeplant. Wunderbar hatte ich mir das vorgestellt. Wie ich da sitze und tue. Einen sündhaft teuren, elektrisch höhenverstellbaren Schreibtisch hab ich mir besorgt. Eine ergonomische Sitzmöglichkeit. Viel Stauraum. Bürosachen halt. Seit bald fünf Monaten habe mein tolles Arbeitszimmer kein einziges Mal genutzt. Warum? Ich habe keine Ahnung. Warum kann ich auf einer Hollywoodschaukel meine Magisterarbeit schreiben, aber im extra hergerichteten Arbeitszimmer keine halbe Stunde verbringen? Warum ist es total in Ordnung, wenn die Arbeitsumgebung so gut wie nicht existiert, aber andererseits ein Problem, wenn sie unpassend existiert?

Was stimmt nicht mit mir?

Zur Gänze beantworten kann ich das auch nicht. Ich weiß bisher nur, dass folgende Dinge bereits einen Unterschied gemacht haben:

– Es werde Licht! Es gibt nichts Wichtigeres. Mein aktueller Sitzplatz bietet Blick auf eine Front mit vier bodentiefen Fenstern und dann aufs freie Feld. Ok, das kann mir das Arbeitszimmer nicht bieten, sonst wäre das Arbeitszimmer das Wohnzimmer. Egal. Also immer darauf achten, Tageslicht nicht mit Möbeln zu verstellen und für ausreichend Beleuchtung sorgen: Deckenlampe, Stehlampe, Schreibtischlampe, Tageslichtlampen.

Deckenlampe mit vier großen Strahlern.
Foto: Uschi Fuchs / MOKS

Schreibtischlampe
Foto: Uschi Fuchs / MOKS

– Da wir zu zweit sind und oft gemeinsam bei ihr oder eben bei mir arbeiten, muss ich auch das Gefühl haben, meiner Kollegin Micha einen ordentlichen Arbeitsplatz bieten zu können. Und wenn nicht einmal ich mich wohl fühle, wie soll sie es dann? Und sie ist jemand, der sich im Home Office einen Blazer anzieht. Mein Arbeitszimmer und ich müssen uns also ranhalten.

– Ich hatte zu viel Stauraum nicht auf Augenhöhe eingeplant. Für jeden blöden Ordner musste ich mich bücken. Da hab ich dann lieber morgens fünf Ordner ins Wohnzimmer getragen, gewerkelt und es am Abend wieder zurück ins Arbeitszimmer gebracht. Da kam ich dann nie in die Versuchung, Ordner mehrmals in die schlecht geplanten Regale zurück zu stellen.

Das ist vielleicht platzsparend, aber absolut ungeeignet für alles, was man öfter braucht. Allein beim Anblick des Fotos und der Ordner bekomme ich einen Grant.
Foto: Uschi Fuchs / MOKS

– Alles war viel zu steril. Deshalb sitze ich aktuell so gern im Wohnzimmer. Da ist es gemütlich und wohnlich. Bei der Einrichtung für Arbeitsumgebungen neigt man dazu, sich nichts Gemütliches zu erlauben. Denn dort soll man ja arbeiten. Da braucht man nichts Nettes. Gschisdi Gschasdi. Ich habe mit Teppichen begonnen (Teppiche sind für mich nice-to-have) und werde mit Schildern, Spiegeln und Deko weitermachen.

Ja, ich habe meine Füße da auf einem flauschigen Fake-Fell. Irgendwie trashig, aber seitdem sitze ich mindestens fünf mal so gerne an meinem Schreibtisch.
Foto: Uschi Fuchs / MOKS

Ein rosa-beiges Sorgenfresserchen. Ein Ding mit schönen Erinnerungen, das mir ein gutes Gefühl gibt. Und wenn alles blöd ist, stopf ich ihm ein Zettelchen mit dem Namen des Auslösers in den Mund.
Foto: Uschi Fuchs / MOKS

Ob man in einem 11 qm2 großen Büro einen Beistelltisch braucht? Vermutlich nicht. Dieser hier gefiel mir aber so gut und erinnert mich immer an das, was Micha und ich geschafft haben. Deshalb bleibt er. Und man kann was reingeben.
Foto: Uschi Fuchs / MOKS

Verpflegung: Kaffe, Tee, Wasser, Saft, Kaugummi, Bananen, Kekse. Mein aktueller Lieblingsplatz befindet sich nicht umsonst neben der Küche. Die Arbeitsumgebung muss für mich sinnvoll Platz bieten, um meine Verpflegung ringsum aufzubauen. Klingt bescheuert, aber ich fühle mich sonst nicht wohl.

Nun geht also das Projekt Arbeitszimmer in die nächste Runde. Die ersten Veränderungen haben schon eine ganze Menge gebracht und ich kann mir vorstellen, dass es mehr und mehr meine Arbeitsumgebung werden kann. Menschen sind kompliziert.

Wenn ihr Ideen und Anregungen, die bei der Gestaltung eines Arbeitszimmers wichtig sind, freue ich mich!